Ökologische und wirtschaftliche Aspekte des Einsatzes von Biodiesel

Ausgangssituation

Im Zuge eines besonders in den Industrieländern sich verstärkenden Bewusstseins zur Erhaltung einer gesunden Lebensumwelt und aufgrund der weltweit absehbaren Aufzehrung ausbeutbarer fossiler Brennstoffvorkommen rückt der Einsatz alternativer Energieträger immer weiter in den Vordergrund des öffentlichen Interesses. Neben Solarenergie, Windkraft und – wenn auch umstritten – Kernenergie, gewinnt der Einsatz nachwachsender Rohstoffe zunehmend an Bedeutung. Insbesondere den nachwachsenden Energieträgern geht der Ruf voraus, umweltfreundlich und zudem unerschöpflich zu sein.

Der durch den einfachen chemischen Prozess der Umesterung aus Pflanzenöl entstehende Raps-Methylester gehört zu den nachwachsenden Rohstoffen. Er wird häufig auch Biodiesel oder kurz RME genannt.

Ziel der Untersuchung war es, anhand der aktuellen Literatur, Vor- und Nachteile des Einsatzes von Raps-Methylester im Vergleich zu herkömmlichen Dieselkraftstoff darzulegen und dabei besonders auf wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen sowie auf die technischen Besonderheiten einzugehen.

Grundlage der Untersuchung

Eine Abschätzung und Bewertung ökologischer Auswirkungen von Produkten auf die Umwelt erfolgt durch das Aufstellen einer Ökobilanz. In ihr werden alle potentiellen Umweltauswirkungen des gesamten Produkt-Lebensweges untersucht und bewertet.

Dazu sind alle In- und Outputströme des Produktes, von der Herstellung, über die Verwendung bis hin zur Entsorgung, in einer Sachbilanz zusammenzustellen. Zur vollständigen ökologischen Bewertung werden verwendbare Produkte, die neben dem Hauptprodukt entstehen, als Kuppelprodukte dem jeweiligen Produktsystem gutgeschrieben.

Das Ergebnis einer Ökobilanz ist im wesentlichen von der Tiefe und Genauigkeit der Erfassung aller beteiligten Produkte abhängig. Deshalb ist es notwendig, sinnvolle Systemgrenzen festzulegen, um alle relevanten Wechselwirkungen mit überschaubarem Aufwand zu analysieren.

Zur Interpretation der in der Sachbilanz ermittelten Daten werden diese den jeweilig zutreffenden Wirkungskategorien, wie z. B. Ressourcenverbrauch, Treibhauseffekt, Versauerung zugeordnet. Eine Bewertung erfolgt über aus Wichtungsfaktoren ermittelte Wirkungsindikatoren.

Ökologischer Vergleich

Aus der vergleichenden Ökobilanz von Biodiesel und mineralischem Diesel geht hervor, dass beide Kraftstoffe sowohl Vor- als auch Nachteile in ihren Umweltwirkungen zeigen. Bei der Gewinnung von Dieselkraftstoffen werden große Mengen fossiler Energieträger verbraucht. Der Anbau von Raps zur Gewinnung von Biodiesel erfordert hingegen den Einsatz mineralischer Ressourcen. Während die CO2-Bilanz eindeutig zugunsten von RME ausfällt, wirken sich die erhöhten Stickstoffemissionen negativ aus. Der naturgemäß geringe Schwefelgehalt wiederum spricht für Biodiesel. Negativ anzurechnen ist diesem Treibstoff der teilweise hohe Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln beim Anbau, der eine Belastung für Boden und Grundwasser darstellen kann. Die gute Abbaubarkeit von RME wirkt sich als Vorteil für Meere und Binnengewässer aus. Bei Transportunfällen stellt RME eine geringere Gefahr für die Umwelt dar.

Kostenvergleich

Insgesamt konnte festgestellt werden, dass der Einsatz von RME keine Nachteile mit sich bringt. Aufgrund der Preisdifferenz ist sogar mit einer geringen Kosteneinsparung zu rechnen. Inwieweit dieser Preis auf Dauer aufrecht erhalten werden kann, hängt von ökonomischen und politischen Entwicklungen ab. Es ist aber zu erwarten, dass bei verstärkter Nachfrage nach RME die Subventionen für Anbau und Mineralölsteuerbefreiung nicht unbegrenzt erhöht werden können und sich der Preis für RME seinen tatsächlichen Kosten nähert. 

Technische Voraussetzungen

Trotz größerer regionaler Unterschiede in der Versorgung kann von einem flächendeckenden Angebot des alternativen Kraftstoffes Biodiesel ausgegangen werden. Vorteilhaft wirkt sich dabei weiterhin aus, dass der Mischbetrieb von mineralischem Diesel und Biodiesel meist möglich ist.

In der Regel sind Diesel-Motoren für den Betrieb mit RME geeignet, wenn Nachrüstungen durchgeführt worden sind. Viele Fahrzeuge sind inzwischen schon ab Werk dafür zugelassen. Bei Altfahrzeugen ist zu prüfen, ob eine Umrüstung generell möglich ist. Neben dem Kraftstofffilter müssen Kunststoffschläuche und Dichtungen getauscht werden. Weiterhin sollten die Fahrzeuge mit einem Oxidationskatalysator nachgerüstet und die Ölwechselintervalle unbedingt eingehalten werden. Im Zweifelsfall sollte man sich mit dem Hersteller und/oder seiner Werkstatt in Verbindung setzen.

Generell ist zu beachten, dass der Kontakt von Biodiesel mit Lack zu vermeiden ist, da dieser angelöst werden kann.

Besonderheiten

Bei sauberer Handhabung kann die Lagerfähigkeit von Biodiesel über einen längeren Zeitraum gewährleistet werden und wirkt sich nicht negativ auf die Qualität aus. Direkte Sonneneinstrahlung ist zu vermeiden. Die Tanks sollten aus Metall und die Innenlackierung RME-beständig sein. Aus gleichem Grund sind Tanks aus PVC ungeeignet.

Wie bei mineralischem Diesel wird auch bei RME jahreszeitabhängig Sommer- und Winterdiesel angeboten. Sommerdiesel kann bis zu einer Temperatur von 0°C, der mit Additiven versetzte Winterdiesel bis -20°C benutzt werden. Diese Zusätze bewirken, dass die Kristalle klein genug bleiben, um problemlos den Kraftstofffilter zu durchlaufen, und gewährleisten außerdem, dass sie sich verteilt in der Schwebe befinden und nicht am Boden absetzen.

Wirtschaftlichkeit

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht wird der Einsatz von RME vom Umweltbundesamt nicht befürwortet. Er bindet direkte oder indirekte Subventionen, die bei gleicher Höhe auf anderen Gebieten größere Umweltschutzeffekte erzielen könnten.

Aus Unternehmenssicht kann sich der Einsatz von RME durchaus als vorteilhaft darstellen. Nach Umrüstinvestitionen in relativ niedriger Größenordnung sind über einen kürzeren Zeitraum kaum weitere Mehrausgaben im Vergleich zu Diesel zu erwarten.