Keine Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr – dafür steht die Vision Zero als globales Konzept. Durch innovative Technologien, bessere Infrastruktur und umfassende Bildungsmaßnahmen soll gemeinsam eine Zukunft gestaltet werden, in der der Straßenverkehr sicher für alle ist. Seit dem Jahr 2024 prämiert der Deutsche Verkehrssicherheitsrat Projekte, die durch kreative Sicherheitsmaßnahmen das Unfallrisiko im Straßenverkehr reduzieren und uns der Vision Zero näherbringen, mit dem DVR Vision Zero Award.
Platz 1 für die Fraunhofer IVI Accident Prevention School FAPS
In diesem Jahr konnte das Fraunhofer IVI mit dem Projekt FAPS (Fraunhofer IVI Accident Prevention School) den ersten Platz belegen. Maria Pohle, Nora Strauzenberg und Vanessa Hilse vom Team Fahrzeug- und Verkehrssicherheit nahmen den Award bei der Preisverleihung in Berlin entgegen. Gemeinsam forschen sie seit vielen Jahren mit großem Engagement an der Unfallprävention der Zukunft und nehmen dabei vor allem Kinder und Jugendliche als besonders gefährdete Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer in den Fokus.
Lernen aus realen Unfalldaten
Der Grundgedanke im Projekt FAPS: Unfälle erlebbar machen – ohne Risiko. Die aktuellen Unfallzahlen zeigen, dass Kinder und Jugendliche häufig als Radfahrer bzw. Fußgänger verunglücken. Dabei werden ca. 50 Prozent der Unfälle nicht von ihnen selbst verursacht, sondern von anderen motorisierten Verkehrsteilnehmenden. Eine Schärfung des Bewusstseins der Kinder und Jugendlichen für ein mögliches Fehlverhalten anderer ist daher zwingend und kann Leben retten.
Besonders für die »vergessene Altersgruppe« von 13 bis 17 Jahren gibt es kaum Angebote im Bereich Verkehrserziehung. FAPS schließt diese Lücke und macht Unfallrisiken dort sichtbar, wo sie entstehen: im direkten Umfeld der Schulen. Zur Unfallpräventionsarbeit nutzt FAPS die Unfalldatenbanken der Behörden und extrahiert – basierend auf der geografischen Lage der teilnehmenden Schule – passgenaue Daten, mit denen die Jugendlichen im FAPS-Softwaretool arbeiten. Anhand anonymisierter Unfallbeschreibungen und der zugehörigen Parameter analysieren sie spezifische Ursachen und Eigenheiten des Unfallgeschehens sowie auch von Unfallhäufungsstellen in ihrem unmittelbaren Schulumfeld.
Perspektivwechsel erleben
Mithilfe von VR-Brillen durchleben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sicher und interaktiv kritische Verkehrssituationen aus der Sicht aller Beteiligten. Sie lernen, typische Gefahren von Fußgängern und Radfahrern im Verkehr zu erkennen und zu verinnerlichen – und dabei eigenes Fehlverhalten zu vermeiden sowie fremdes einzukalkulieren.
Der interdisziplinäre Ansatz kombiniert Ingenieurwissenschaft, Datenanalyse und Psychologie, um ein Bewusstsein für das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer zu schaffen. In Zusammenarbeit mit den Projektpartnern ADAC Sachsen, Wildstyle Network und VP- Service sowie mit der Unterstützung des Landespräventionsrats Sachsen, der Fundación MAPFRE sowie dem SenMVKU Berlin als Hauptförderer konnten inzwischen bereits rund 20.000 Schülerinnen und Schüler mit dem interaktiven Workshop für verkehrssicheres Verhalten erreicht werden.
Wir freuen uns über diesen großartigen Erfolg für unsere Verkehrssicherheitsforschung!