Übereignung des autartec®-Hauses an die Niemann Recycling GmbH & Co. KG
Aus Forschungsprojekt wird Zukunftsort: Das autartec®-Haus auf dem Bergheider See hat mit der Niemann Recycling GmbH & Co. KG einen neuen Eigentümer gefunden. Die schwimmende Landmarke soll erhalten, saniert und perspektivisch für Besucherinnen und Besucher zugänglich gemacht werden.
Das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI hat den schwimmenden Demonstrator autartec®-Haus zum 18.08.2026 an die Niemann Recycling GmbH & Co. KG übereignet und zur fortführenden Nutzung übergeben. Damit bleibt die markante Konstruktion im Bergheider See der Region erhalten.
Das Bauvorhaben wurde initial unter Federführung des Fraunhofer IVI und weiterer Partner aus der Region als Demonstrationsplattform eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF geförderten Forschungsprojektes ins Leben gerufen. Mit seiner Einweihung im Jahr 2019 sorgte das Objekt neben der Braunkohleabraum-Förderbrücke F60 schnell für Aufsehen: Die ineinander verschachtelten Bauelemente sahen als Gebäudestruktur so ganz anders aus als gewöhnlich. Das Ziel: ein schwimmendes Haus, das sich selbst mit Wasser, Strom und Wärme versorgt.
Auf einem Ponton auf zwei Ebenen errichtet, verfügt das Haus über insgesamt 109m2 Wohnfläche und eine 15m2 große Terrasse. Die Verbindung moderner Architektur mit einer hoch effizienten Anlagen- und Gebäudeausstattung war originell: In die Gebäudehülle integrierte Solarzellen, in Textilbetonwände eingebaute Lithium-Polymer-Akkumulatoren sowie innovative Speichertechnologien (Salzhydrat und Zeolith) unterstützten das autarke Versorgungssystem.
Die hierbei entwickelten Einzeltechnologien (u. a. ein Batterie- und Haustechnikmonitoring-System oder Textilbetonbauteile) wurden in verschiedenen Folgeprojekten der jeweiligen Projektpartner fortgeführt und werden kontinuierlich an anderen Standorten optimiert.
Dennoch war zwischenzeitlich sogar vom Abriss des ehemaligen »Leuchtturmprojekts« die Rede – nach Abschluss der Forschungsarbeiten war der wirtschaftliche Betrieb und die Unterhaltung im säurehaltigen Wasser für das Fraunhofer IVI selbst nicht möglich: Zum einen lassen juristische Randbedingungen einen Gewerbebetrieb nicht zu. Zum anderen müssen derartige Objekte zwingend von ansässigen Akteuren betrieben werden, damit sie der lokalen Struktur dienlich werden. Hierzu tauschte sich das Institut kontinuierlich mit Behörden, Verantwortlichen und Firmen aus. Dabei stand das Fraunhofer IVI unter Handlungsdruck: Die Korrosion des Pontons schritt aufgrund des Säuregehalts zunehmend voran; gleichzeitig musste das Institut vergaberechtliche Rahmenbedingungen für den schließlich in Betracht gezogenen Rückbau einhalten.
Im Bieterverfahren fand sich die Niemann GmbH & Co. KG, ein Unternehmen, deren Aufgabenschwerpunkt eher im Abriss solcher Baulichkeiten liegt, nicht in deren Wiederverwertung.
Bei einer Begehung vor Ort sah Geschäftsführer Steffen Niemann jedoch das Potential und entschloss sich dafür, die Struktur nicht rückzubauen, sondern in eine wirtschaftliche Nutzung zu überführen. Hierfür soll die schwimmende Technologie-Plattform in die Uferzone des Sees verstetigt werden. »In meine Überlegungen fließt eine mögliche touristische Nutzung ein. Ich freue mich, dieses regionale Wahrzeichen zu erhalten und anderen zugänglich zu machen,« sagt Steffen Niemann.
Auch Prof. Sanaz Mostaghim, Institutsleiterin des Fraunhofer IVI, zeigt sich zufrieden mit dieser Entwicklung: »Ich bin sehr froh, dass das Projekt autartec® erfolgreich abgeschlossen werden konnte: eine Technologie- und Demonstratoranwendung in eine wirtschaftliche Betriebsweise zu überführen ist die Grundidee des Fraunhofer-Modells. Ein Rückbau wäre wirklich schade gewesen.«
Der neue Eigentümer übernimmt ab sofort alle weiteren baulichen Maßnahmen. Die Sanierungsarbeiten starten voraussichtlich Anfang September 2026.