Fahrerlose Busse, die verlässlich Fahrgäste von A nach B bringen – nicht als Experiment, sondern als fester Bestandteil des Alltags: Dieses Ziel hat sich der Freistaat Sachsen gemeinsam mit Partnern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und der ÖPNV-Branche gesetzt. Auf der Fachtagung »Vision 2030: Autonomes Fahren im sächsischen ÖPNV« wurde am 23. April 2026 ein Letter of Intent unterzeichnet, der den Startschuss für eine koordinierte Initiative gibt. Prof. Dr. Sanaz Mostaghim, Institutsleiterin des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI, unterzeichnete die Absichtserklärung im Namen des Instituts, das seine wissenschaftlich-technische Expertise gezielt in das Vorhaben einbringen wird.
Autonome Fahrzeuge auf SAE Level 4 bis 2030 im Regelbetrieb
Das gemeinsam angestrebte Automatisierungsniveau SAE Level 4 steht für hochautomatisiertes Fahren: Das Fahrzeugsystem übernimmt sämtliche Fahraufgaben eigenständig und benötigt innerhalb definierter Betriebsbereiche keinen menschlichen Eingriff. Für den ÖPNV heißt das konkret: Busse und Shuttlefahrzeuge könnten ohne Fahrerinnen und Fahrer sicher und zuverlässig unterwegs sein. Vor allem im städtischen Umland und im ländlichen Raum, wo Mobilitätsangebote häufig dünn gesät sind oder Fahrten durch Personalmangel entfallen müssen, eröffnet dies neue Perspektiven für eine bedarfsgerechte Mobilitätslösungen.
Angewandte Forschung für Vernetzung und Sicherheit
Als Unterzeichner des Letter of Intent und Partner im Projekt SIAS-ÖV bringt das Fraunhofer IVI seine Kompetenzen in zwei zentralen Handlungsfeldern ein. Zum einen entwickelt und erprobt das Institut V2X-Kommunikation sowie digitale Infrastrukturkomponenten für sicheres vernetzt-assistiertes Fahren. Diese Vernetzung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass autonome Fahrzeuge situationsgerecht und sicher agieren können. Zudem erarbeiten die Forschenden Sicherheitskonzepte, Monitoring-Systeme und Standards für die Definition von Betriebsbereichen sowie Lösungen für eine zuverlässige Technische Aufsicht der automatisierten Shuttles – also die Systeme, die den fahrerlosen Betrieb aus der Ferne überwachen und absichern.
Strukturierte Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und der ÖPNV-Branche
Zu den Partnern der Initiative gehören zahlreiche Akteure aus Forschung, Industrie, Verkehrsunternehmen und Politik, darunter AMZ – Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen, Bertrandt Group, CADA – Chemnitz Automated Driving Alliance, DB Regio AG, IAV GmbH, die Landeshauptstadt Dresden, der Landkreis Nordsachsen, Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH, SAENA GmbH, das Sächsische Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung, das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, Smart Rail Connectivity Campus gGmbH, die Stadt Leipzig, staff-eye GmbH, die TU Dresden, Professur für Fahrzeugmechatronik, VDV e.V., Volkswagen Sachsen GmbH, Zweckverband Verkehrsverbund Ostsachsen und das Fraunhofer IVI.
Die Unterzeichnung der Absichtserklärung ist mehr als ein symbolischer Akt – sie markiert den Beginn einer strukturierten Zusammenarbeit, die Innovationen konsequent aus dem Labor in die gelebte Alltagsmobilität überführen soll. Das Fraunhofer IVI freut sich mit seiner DNA für angewandte Forschung, diesen Weg aktiv mitzugestalten.