Mit dem Underbody Charging System (UBCS) und weiteren Lösungen zeigt das Fraunhofer IVI auf der Teilmesse ees Europe vom 23. bis 25. Juni, wie angewandte Forschung Unternehmen bei dem Umstieg auf E-Nutzfahrzeugflotten unterstützt. Am Vorabend der Messe fand zudem die Preisverleihung des The smarter E AWARD statt, bei dem das UBCS in der Kategorie E-Mobility bis ins Finale gekommen war.
Auf der internationalen Innovationsplattform The smarter E Europe 2026 in München war das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI mit seinem Underbody Charging System (UBCS) als Finalist im Rennen um den renommierten The smarter E AWARD dabei. Der Award prämiert Innovationen, die einen bedeutenden Beitrag zu einer erneuerbaren Energiewelt leisten. Dass das Underbody Charging System es in der Kategorie E-Mobility ins Finale geschafft hat, unterstreicht die Relevanz robuster, praxistauglicher Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge. Auf der Teilmesse ees Europe können Fachbesucherinnen und Fachbesucher das UBCS und weitere Technologien am Gemeinschaftsstand der Wirtschaftsförderung Sachsen (Stand B2.150 / B2.151) live erleben.
Herausforderungen der Flottenelektrifizierung
Hohe Energiebedarfe, begrenzte Flächen auf Betriebshöfen, die Belastung des Stromnetzes und steigende Energiekosten – Logistiker, Speditionen und kommunale Betriebe stehen vor zahlreichen Herausforderungen, wenn sie ihre Flotten schnell und zugleich wirtschaftlich elektrifizieren möchten. Konventionelle Ladeinfrastruktur mit großen Ladesäulen stößt hier oft an Grenzen. Sie benötigt zusätzlichen Platz, ist anfällig für Vandalismus und Diebstahl und lässt sich schwer in eng getaktete Betriebskonzepte integrieren. Um die Verkehrswende im Nutzfahrzeugbereich zu beschleunigen, braucht es daher verlässliche und skalierbare Alternativen – und das Laden von unten trifft dabei einen Nerv in der Branche.
Underbody Charging System: Laden auf Knopfdruck
Mit dem Underbody Charging System präsentiert das Fraunhofer IVI ein vollautomatisches Ladesystem für Elektro-Nutzfahrzeuge, das sich optimal für aktuelle Anwendungsfälle eignet und zudem ohne kostspielige Umbauten problemlos für zukünftige Schnellladeanforderungen nutzen lässt. Das am Institut patentierte, automatisierte Kontaktsystem verbindet Fahrzeug und Infrastruktur platzsparend und ganz ohne manuelles Einstecken, ermöglicht hohe Ladeleistungen und erfüllt alle Sicherheitsstandards. Es kommt ohne offen liegende Kabel aus und benötigt keinen zusätzlichen Raum für Ladesäulen. Damit reduziert es Angriffsflächen für Vandalismus und Kabeldiebstahl und lässt sich nahtlos in bestehende Logistikflächen integrieren. Die Technologie ist bereits heute auf Ladeleistungen im Megawattbereich ausgelegt.
»Beim The smarter E AWARD in der Kategorie E-Mobility als Finalist dabei gewesen zu sein, ist für unsere Arbeit eine wichtige Bestätigung. Sie zeigt, dass unser Underbody Charging System einen relevanten Beitrag zur Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen leisten kann – gerade jetzt, wo E-Lkw den Sprung vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb machen.« sagt Dr. Frank Steinert, Abteilungsleiter Fahrzeugsysteme am Fraunhofer IVI. »Für uns ist das ein starkes Signal, unsere Technologie gemeinsam mit Partnern zur Marktreife und in den breiten Einsatz zu bringen.«
Vom vollautomatischen Laden zum intelligenten Flottenbetrieb
Neben der Hardware demonstriert das Fraunhofer IVI auf der Messe mit der Plattform IVImon, wie auf Basis echter Fahrzeugdaten Entscheidungen getroffen werden, um die Betriebskosten zu senken. Das Telemetrie- und Analysesystem bewertet jede Tour inklusive Ladepunkt und Energieeinsatz und macht sichtbar, wo versteckte oder vermeidbare Ladekosten entstehen. Der Betreiber erfährt, welche Fahrzeuge im Alltag besonders stark belastet werden und wie sich Ladeverhalten, Einsatzplanung und Fahrzeugnutzung batterieschonender gestalten lassen.
Ergänzend zur Betriebsanalyse kommen wissenschaftlich fundierte Planungstools zum Einsatz, die automatisiert Fahrzeugeinsatzprofile auswerten, Nachladestrategien ableiten, KI-gestützte Lastprognosen erstellen und Einsparpotenziale im Lastmanagement identifizieren. Auf diese Weise verbindet das Fraunhofer IVI intelligente Ladetechnologie und Energieversorgung mit smarter Analyse und unterstützt Unternehmen dabei, ihre E-Flotten technisch zuverlässig zu betreiben.
Von der Forschung in die Praxis
»Auf The smarter E 2026 sind wir gemeinsamen mit Partnern aus Sachsen gekommen, um unsere Lösungen für Nutzfahrzeugflotten genau den Unternehmen zu zeigen, die jetzt mit der Elektrifzierung loslegen wollen. Unser wichtigstes Ziel ist es, Sichtbarkeit für unser Underbody Charging System zu schaffen – dafür haben wir auch einen Demonstrator mitgebracht, an dem man sich den Ladevorgang von unten live anschauen kann.« erklärt Dr. Frank Steinert. »Die Messe ist für uns der ideale Ort, um gemeinsam mit Anwendern und Experten zu diskutieren, wie sich E-Lkw effizient und sicher laden und im Alltag betreiben lassen.«
Das Fraunhofer IVI lädt alle Interessierten ein, das UBCS am Messestand zu erleben und gemeinsam nächste Schritte für eine wirtschaftliche Flottenelektrifizierung zu diskutieren.